JAKOBSWEG                                                                                                 

 

Wer war der Heilige Jakob?

 

Jakobus stammte aus Betsaida. Er war der Sohn von Zebedäus und Maria Salome und der ältere Bruder des St. Johannes des Evangelisten. Die Brüder waren Fischer auf dem See Genezareth.  Jesus überredete beide, das Fischerdasein aufzugeben und seine Jünger zu werden. Mit Petrus und Johannes gehörte er zu den engsten und vertrautesten Jüngern Jesu, die bei der Auferweckung der Tochter des Jairus, der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor und in seiner Angst im Garten Gethsemane zugegen waren.

Nachdem Christus zum Vater aufgestiegen war, teilten die Apostel die verschiedenen Völker unter sich auf, denen sie die Heilsbotschaft über den Tod und die Auferstehung Jesu Christi bringen wollten. Jakobus dem Älteren ist dabei das heutige Nordspanien zugefallen. Jakobus ist als erster aus Jerusalem aufgebrochen und war von allen Aposteln mit seiner Mission am längsten unterwegs. Eine Zeit lang predigte er in Judäa und begab sich dann nach Spanien. Diese Reise trat er in der Stadt Joppe an, die sich heute Jaffa nennt – im 35. Jahr, im Monat August, Sextilis genannt, ein Jahr und fünf Monaten nach der Passion Christi, acht Monate nach dem Martyrium des Hl. Stephan und fünf Monate vor der Bekehrung des Heiligen Paulus.

Nachdem Jakobus sich in Jaffa eingeschifft hatte, legte er auf der Insel Sardinien eine kleine Pause ein und landete kurz danach in Spanien in Kartagena, wo er zu predigen begann. In Kartagena blieb er nur kurze Zeit. Er kehrte nach einiger Zeit sehr enttäuscht  wieder nach Jerusalem zurück. Die Leute waren seiner Botschaft gegenüber taub geblieben. Die Versammlung der Apostel wollte aber auf seine Einwände nicht hören: Es sei seine Aufgabe, gerade dort das Evangelium zu verkünden. Es wurde beschlossen, dass er nach Galicien zurückkehre und auf der Iberischen Halbinsel das Wort Gottes verkünden werde. So geschah es. Als er danach nach Jerusalem zurückkehrte, wurde er wieder das Haupt der dortigen Christengemeinde.

Jakobus musste sich als eifriger Anhänger des verfolgten Glaubens verstecken, aber seine Feinde trieben ihn auf. Um Ostern des Jahres 44 n. Chr. wurde er als erster der Apostel auf Befehl des Königs Herodes Agrippa I., der damit den jüdischen Feinden des Christentums gefallen wollte, durch das Schwert hingerichtet.  Er wurde später als Märtyter selig gesprochen.

Der Heilige Jakobus wird vor allem mit dem Schwert dargestellt, mit dem er hingerichtet wurde. Als Schutzpatron der Pilger ist er mit einem Pilgergewand bekleidet, geschmückt mit einer Muschelschale oder mit einem Stab, einer Tasche, einer Flasche usw. .... Seine Symbole sind auch ein Buch oder eine Schriftrolle. Er ist auch Schutzpatron der Bergleute. Die Jakobsmuschel gehört zu den wichtigsten Elementen der Jakobssymbolik.

 

Jakobslegenden

 

Das vermutliche Grab des Heiligen in Santiago wurde zum berühmtesten Wallfahrtsort des Mittelalters, obwohl es keine zuverlässigen Beweise gibt, dass die in Galicien im 9. Jahrhundert n. Chr. gefundenen Überreste tatsächlich die des Heiligen Jakobus sind. Einer Überlieferung nach trugen die Apostel seinen Leichnam heimlich weg, legten ihn in einen Marmorsarkophag und schickten ihn in einem kleinen Boot übers Meer, damit er dort Zeugnis für den Glauben ablege, wo er zu Lebzeiten das Evangelium verkünden sollte… Nach einer anderen Legende durfte sein Leichnam nicht in seinem Heimatland begraben werden. Anastazio und Theodor, zwei treue Schüler des Jakobus, nahmen die mühevolle Aufgabe auf sich, sich würdig um seine Überreste zu kümmern. Sie wanderten durch die Welt mit dem Marmorkasten, in dem Jakobus Leichnam lag, bis sie die Pyrenäenhalbinsel erreichten.  Als sie durch keltisches Gebiet wanderten, schenkte ihnen die keltische Königin ein Ochsenfuhrwerk. Das machte die weitere Reise leichter. An einer Stelle in der westlichsten römischen Provinz Iria Flavia ging die Reise nicht weiter. Sie betrachteten dies als Zeichen, Jakobus dort zu begraben…

Im Jahre 813 entdeckte der Eremit Pelayo das Grab des Apostels, dem leuchtende Sterne diese Stelle verrieten. Der Ort begann lateinisch „campus stellae“ genannt zu werden, also „Sternenfeld“. Daraus entstand der Ortsname Compostel und daraus entwickelte sich weiter der ganze Name Santiago de Compostela – der Heilige Jakob vom Sternenfeld. Das Wort Compostela wird oft als „der kleine Friedhof“ erklärt – der dort im Jahre 820 entdeckt wurde. Im selben Jahr bestätigte Bischof Theodomirus die Echtheit des Grabes. König Alfonso II. erklärte den Heiligen Jakob zum Patron seines Reiches und ließ an dieser Stelle dem Heiligen eine Kapelle bauen. Die dreischiffige Kathedrale mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes ließ Alfonso III. der Große über dem Grab des Apostels  erbauen. Er war asturischer König und Gründer des Königtums von León, der die Christen in den Gebieten unterstützte, in denen sich der muslimische Einfluss zunahm. Papst Alexander III. verlieh der Stadt Santiago de Compostela Ablassprivilegien und gab ihr den Titel "Heilige Stadt" (wie Rom und Jerusalem). Papst Calixto II. bestimmt der 25. Juli als Tag des Heiligen. Wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt, erklärt der Papst dieses Jahr zum Heiligen Jahr.  

Jakobs Beiname “mauresmo“– „Maurentöter“ stammt aus dem 8. Jahrhundert, als der Heilige Jakob als Ritter auf einem Schimmel in die spanische Geschichte eingeht. In dieser Zeit herrschten die Mauren (Araber) über die ganze Iberische Halbinsel und die ländliche christliche Bevölkerung litt unter ihrer Gewaltherrschaft. Unter anderem mussten sie ausgerechnet aus dem Gebiet um Compostela (seit 711) jedes Jahr in das Emirs Harem (in die Hauptstadt des Emirats Cordoba) hundert junge Mädchen schicken. Als ihre Geduld zu Ende war und sie sich gegen diese grausame Bedingung  erhoben, erschien den kämpfenden Christen der Heilige Jakob und verhalf ihnen zum Sieg. Diese heilige Erscheinung des Schützers des Christenglaubens wiederholte sich dann bei verschiedenen historischen Umstürzen und Krisen. Auch bei der entscheidenden Schlacht der Christen gegen die Mauren im Jahre 844 bei Clavio erschien der Heilige Jakob mit seinem Pferd und stand den Christen in dem fast verlorenen Kampf bei. 

 

Jakobswallfahrten

 

Bereits die mittelalterlichen Christen hatten ihren Lebenstraum und große Sehnsucht nach einer Pilgerfahrt auf den Spuren Jesus Christi ins Heilige Land, nach Rom zum Grab des Heiligen Peter und zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren nach Santiago de Compostela – ans Ende der damals bekannten Welt. Ein böhmischer Adliger, der bekannte Kryštof Harant von Polžice und Bezdružice (Christoph Harant Freiherr von Polschitz und Weseritz auf Pecka) notierte über seinen Besuch in Santiago de Compostela: „Linker Hand ist die kleine Kapelle, gewölbt und bemalt, in der einige Lampen brannten. In der steht auf der östlichen Seite ein steinerner Altar, der an der Stelle steht, auf dem der Heilige Jakobus der Ältere, der Apostel des Herrn, gestanden hat, der auf Befehl des Königs Herodes geköpft wurde, und nach dem die "Kirche des Heiligen Jakobus des Großen" benannt ist.“ Das Pilgern auf den Jakobswegen prägte in folgenden Jahrhunderten das Bild damaligen Europas. Allein auf dem „französischen“ Jakobsweg in die Apostelstadt, der auch heute von Frankreich über Pyrenäen durch das Tal Roncesvalles oder über Somport führt, waren jährlich Zweihundert- bis Fünfhunderttausend Pilger unterwegs. Sie brachten in die damals unwirtlichen Gebiete nicht nur Geld mit, sondern mit ihnen eine wirtschaftliche Entwicklung sowie auch einen ungewöhnliche kulturelle Blüte.  Die längs der Wege erbauten neuen Klöster verbreiteten die romanische Kultur, Ritterordner überwachten die Wege,  bedeutende Pilger gründeten wohltätige Organisationen und vererbten ihnen ihr Vermögen. Von den vielen Hunderten Kirchen in den Städten auf der Pilgerroute gehören heute nur etwa 10 zu den weltweit einmaligen Zeugnissen der Vergangenheit. In der Stadt Léon entstand im Jahre 1186 der Ritterorden „ St. Jakob vom Schwerte“.  Seine Ritter trugen ein rotes Schwert auf der Brust, dessen Klingenspitze und dessen Enden der Parierstangen lilienförmig sind. Die Pilger glauben, dass ihre Sünden als Belohnung für die zurückgelegte Wallfahrt zum Grab des Apostels Jakobus erlassen werden. Die Jakobus-Reliquien werden durch ihre heilende Wirkung bei  motorischen Beschwerden und Krankheiten berühmt– die wohl bekannteste ist die Heilung von Rheumatismus. Mit Sandalen, Pilgerstab, breitem Hut und einer Kalebasse machen sie sich auf den viel Hunderte von Kilometern langen Weg. Auch heute ist die Jakobsmuschel ein „Erkennungszeichen“ der Pilger. Diese Muschelart  lebt im Atlantischen Ozean in der Nähe dieses Gebietes.  

 

 

Santiago de Compostela

 

Santiago de Compostela zählte zusammen mit Rom und Jerusalem zu den bedeutendsten Pilgerzielen des christlichen Europa. Die Pilgertradition zum Grab des Apostels Jakobus begann im 9. Jahrhundert und erlebte in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts einen großen Aufschwung, der bis heute andauert.

Die alte Stadt Santiago de Compostela – Wallfahrtsort des abendländischen Christentums, liegt in Galicien im Norden Spaniens und hat eine bewegte und interessante Historie. Sie liegt an der Hauptstraße von La Coruna nach Viga und ist das Pilgerziel des legendären Camino de Santiago – des Jakobsweges. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre größte Blüte und wurde zu einem wichtigen religiösen Zentrum. In dieser Zeit wurden die Kapelle Capilla del Salvator und der Torre de las Campanas und der Torre de la Carraca erbaut. In den folgenden Jahrhunderten wurden in der Stadt weitere Kirchen und Klöster (z.B. Santa María Salomé, San Pelayo de Antealtares, San Martin Pinario) gebaut. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das prächtige Barockkloster San Martin Pinario, das über der alten romanischen Kirche – dem vormaligen Glaubenszentrum – erbaut wurde. Einer Legende nach gründete der Hl. Franziskus den Convento de San Francisco. Gott soll ihm in einer Erscheinung geraten haben, von den Ordensbrüdern für den symbolischen Preis eines Korbes Fische das Grundstück zu kaufen und an dieser Stelle das Kloster für das Geld, das er im Brunnen findet, zu bauen – was auch geschah. Heute befinden sich an dieser Stelle nur Reste des ursprünglichen Klosters, die meisten Gebäude wurden im 17. Jahrhundert erbaut. Auch wenn es in der Stadt mindestens fünfzig Kirchen, Klöster, Brunnen und Glockentürme gibt, ist die Dominante die St.- Jakobs- Kathedrale, auf die sternförmig alle Hauptstraßen zulaufen. Archäologische Forschungen haben bewiesen, dass es an dieser Stelle schon im 9. Jahrhundert eine karolingische Kirche gestanden hat. Sie wurde jedoch während der Kriege zerstört und an ihrer Stelle eine frühromanische Kathedrale erbaut. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie im Barockstil weitgehend umgebaut. Die Reliquien des Heiligen sind in der Krypta in einem modernen Sarkophag aus Silber aufbewahrt. Das Bild des Hl. Jakob erscheint in der Kathedrale mehrfach. Über den Hauptaltar erstrahlt der Hl. Jakob in Silber und Edelsteinen. 

 

Symbole der Jakobspilgerfahrt

Jakobsmuschel, Pilgerstab, Kalebasse

 

Der St.- Jakobs- Weg

 

Der St.- Jakobs-Weg ist der Pilgerweg zum Grab des Hl. Jakob, das in der spanischen Stadt Santiago de Compostela gefunden wurde.

„Richtig“ sollte sich der Pilger von seinem Wohnort auf dem Weg machen. Die meisten Pilger aus entfernten Orten (nicht aus Spanien oder Frankreich), wählen als Ausgangsort die französische Stadt

Saint Jean Pied de Port, durch die die bekannteste Route des Pilgerweges führt – genannt „Camino Francés“ – zu der auch die anderen Routen aus Europa führen und die ca. 760 km lang ist.

Um die Bedingungen der Durchführung der Pilgerfahrt zu erfüllen, müssen Sie wenigstens die letzten 100 km zu Fuß (mit dem Fahrrad 200km) zurücklegen.

Der Europarat erklärte die französischen Teile des Jakobsweges zur „europäischen Kulturroute“ und sie wurde in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Es geht um vier Hauptwege aus Westeuropa – aus Paris, Vezelay, Le Puy und Arles – mündend hinter Pyrenäen im spanischen Pamplona in die einzige Route, die durch Logron, Burgos, León und Astorga geht und zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela führt. Auf dem Weg von Le Puy liegt das uns bekannte Städtchen Rocamadour. Der Weg von Le Puy ist ca. 1500 km lang.

 

Die Routen des Jakobsweges sind auch in der Tschechischen Republik markiert.

 

Die als I.24 markierte Route beginnt in Zbraslav bei Prag und führt über Karlštejn, Beroun, Svatý Jan pod Skalou,  Nižbor, Kralovice, Plasy, Horní Břízu, Anhöhe Krkavec und Stříbro nach Kladruby. Vom Kloster Kladruby führt er in der Gemeinde Kladruby zur Kirche St. Jakobs des Größeren und dann weiter längs des Flusses Úhlavka, über die Tuněchodský – Mühle nach Prostiboř, Darmyšl, durch das Hügelland Sedmihoří, Vidice und Přes nach Hostouně, wo sich ebenfalls eine dem Hl. Jakob geweihte Kirche befindet. Weiter führt sie über Bělá nad Radbuzou nach Železná, wo er im Park der Versöhnung die tschechisch-österreichische Grenze überquert. Die Strecke nutzt vorwiegend bestehende markierte Wanderwege.

 

Einer der Wege führt von Český Krumlov über das Mühlviertel und Bayern nach Passau und darüber hinaus. Die Entfernung Český Krumlov – Passau beträgt 135 km. Sie führt von Český Krumlov über Kyjov und den Marienwallfahrtsort oberhalb von Kájov, Světlík (St.-Jakobs-Kirche), Frymburk, Přední Výtoň, Svatý Tomáš, das Kloster der Prämonstratenser in Schlägl, weiter über Rohrbach (St.-Jakobs-Kirche), Sarleinsbach, Putzleinsdorf, Pfarrkirchen und Neustift.

 

 

 

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