Kleine Volksbauten machen die Landschaft lebendig

Jitka Růžičková

 

Trotz Veränderungen in den Weltanschaungen behielt das Volk in Südböhmen bis zur Periode des Sozialismus seinen Glauben an die Dreifaltigkeit. Es war in unserer Geschichte die Zeit der Reformation und danach wiederum die Zeit der Gegenreformation und Rückkehr zum römisch-katholischen Glauben, was damals schwer das Schicksal der südböhmischen Dörfer und Leute beeinflusste. Nach dem ersten Weltkrieg kam dann die Zeit der neuzeitlichen lauen Frömmigkeit, die tschechoslowakische Kirche entstand, die festen Fuß bei uns fasste In dem atheistischen sozialistischen Staat wurden keine kirchlichen Bauten mehr gebaut, aber man hat die bestehenden stehen lassen und sie gesellten sich zu roten Hämmern und Sicheln. Und nach der Wende, wo Hammer und Sichel wiederum schnell verschwanden,  sieht man sie oft zu unserem Staunen mit Liebe gepflegt.

 

Zeichen dieses Glaubens sind die oft einfachen kleinen kirchlichen Bauten -Marterln, kleine Kapellen, Kreuze und Heiligenbilder entlang unseren Wegen, auf den Kreuzwegen, in den Waldecken oder mitten im Feld. Wir wissen oft nicht mal, wer sie gebaut hat und als wessen Gabe sie entstanden sind. Sie beleben jedoch unsere Landschaft und fallen in ihr Bild wie ein wichtiger Bestandteil ein. Manchmal wird ein Zusammenhang gezogen mit dem vorzeitlichen Baumkultus und der heidnischen Verehrung der Götter die in den Bäumen lebten. Heiligenbilder hängte man an die Bäume mit unterschiedlicher Absicht: als Dank für eine Wohltat Gottes, zur Ehrung der Verstorbenen, als Mahnung zum Lob von Jesus Christus .Die Aufgabe der Bäume haben oft kleine Bauten übernommen, darunter sind die einfachsten und am meisten mit den einfachen Leuten die Marterln verbunden. Der größten Beliebtheit erfreute sich Maria mit ihrem Kind, Symbol der Freude und des Schmerzen aller Frauen, wir können jedoch auch z.B. den heiligen Vaclav, den Patron des tschechischen Volkes, antreffen. Oft stehen die Marterln in der Nachbarschaft von mächtigen Bäumen, oder wurde zusammen mit dem Marterl auch an Bäume gedacht, wo früher keine waren. Man kann auch noch heute Bilder direkt am Baum gehängt finden. Ein Beispiel ist die beliebte 24m hohe Eiche(Stammumfang 592cm) von der tschechischen weltberühmten Opernsängerin Ema Destinová, der„ göttlichen Ema“ mit ihrem Bild auf der Rinde. Ursprüngliche Marterln sind sehr alt und wurden bei uns schon im 15. und 16. Jh.gebaut, später wurden sie dann  jedoch oft umgebaut. Aus einigen Marterln sind auch Glockentürmchen geworden. Meistens haben die Marterln einen breiteren Unterbau und oben in der Nische ein Bild oder eine kleine Statue, früher oft ein interessantes Werk eines Dorfkünstlers, manchmal ein einfaches Dächlein oder ein Kreuz. Unterwegs sehen wir da viele davon. Im Gegensatz zu diesen Marterln sind die Johannes Nepomuk-Kapellen, die wir fast in jedem Ort, den wir unterwegs passieren, antreffen, doch mehr Ausdruck der massiven Rekatholisierung Böhmens, die habsburgischen Herrscher wollten diese Tradition gegen die St.Wenzelslaus-Tradition durchsetzen. Leider, denn sonst wurde Johann Nepomuk von den Leuten hier schon lange vor seiner Heiligsprechung geehrt und rundum 1600 galt er als einer der Patronen Böhmens. Die damalige kirchliche Politik hat damit also eher Schaden angerichtet. Die Marterln dagegen sprechen  dann mehr vom echten inneren Glauben der hiesigen Bevölkerung, als ob man nie aufgehört hat im innern in den verschiedensten Gesellschaftsordnungen an den Gott zu glauben, der uns trotz allem hört und erhört.  

 

 

 

 

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